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Einblick in die Welt der Spitze

Horst P. Horst – zwischen Stil und Eleganz

Horst P. Horst (1906-1999) ist einer der wichtigsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts. Besonders in den 30er und 40er Jahren prägte er das Bild der VOGUE mit seinen wunderbaren Aufnahmen. Da ist die Ausstellung über ihn in Düsseldorf eine Art Pflichttermin für mich. Gesagt – getan, wir haben fix Flüge gebucht, um einen Ausflug nach Düsseldorf zu machen. Im heutigen Beitrag teilen wir unsere Eindrücke der Ausstellung, später wird es noch einen weiteren Beitrag über die Tage in Düsseldorf geben.

Horst P. Horst – Photographer of Style – die Ausstellung im NRW Forum in Düsseldorf

Ein gelungener Start in den Tag

Wie sich in Düsseldorf herausstellte, war unserer Hotelwahl einfach perfekt. Wir haben uns für das Fashion-Hotel Indigo entschieden – schon das umgesetzte Modethema passte wunderbar zu unserem Ausflugsziel – jede Etage ist einem anderen Jahrzehnt gewidmet und mit stimmigen Bildern passend zum Jahrzehnt gestaltet (Mehr zum Hotel wird es dann im Düsseldorfbeitrag geben). Schon zum Frühstück konnten wir uns auf die Ausstellung einstimmen, denn die umfangreiche Modebibliothek hielt das Buch zur Ausstellung zum Stöbern bereit.

Meine Lektüre zum Frühstück in Hotel Indigo

und gleich kanns in die Ausstellung gehen

 

Ein perfekter Start mit einem perfekten Frühstück in den Tag. Und sehr schön, wie sich Kreise immer wieder schließen, denn der Neffe von Horst P. Horst, Andreas Endermann – selbst ein Fotograf arbeitet eng mit dem Hotel Indigo zusammen.

Auf ins NRW Forum

Vom Hotel aus war es nur ein Katzensprung zur Ausstellung, die im NRW-Forum noch bis zum 22. Mai zu sehen ist. Das heutige NRW-Forum wurde 1926 nach Plänen von Wilhelm Kreis im Ehrenhofareal errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Kunstpalast sowie die Tonhalle. Der Gesamtplatz beeindruckt durch die strengen symmetrischen Formen und die einfache, formal reduzierte, aber monumentale Ziegelfassade.  Im NRW-Forum finden wechselnde Ausstellung hauptsächlich zu den Themen Fotografie, Mode, Design und Architektur statt.

Der Ehrenhof mit dem NRW Forum und der Tonhalle im Hintergrund

Horst P. Horst – Photographer of Style

Im Inneren erwartet uns eine wunderbare Retrospektive des Magiers des Lichtes, die nicht nur 250 Arbeiten von Horst P. Horst zeigt, sondern auch Zeichnungen aus einigen seiner Skizzenbücher und Originalausgaben der Vogue. Ergänzt wird der modische Teil der Ausstellung durch Kleider aus den 30er Jahren unter anderem von Chanel, Shiaparelli oder Lanvin.

Horst P. Horst – Photographer of Style

„Mode ist Ausdruck einer bestimmten Zeit. Eleganz ist etwas ganz anderes“

Dieses Zitat von Horst P. Horst klingt wie ein Leitspruch für ihn und seine Bilder. Denn er war nicht auf der Suche nach Alltagsbildern – seine Bilder sind die pure Eleganz, so war es auch nicht verwunderlich, dass jeder, der zu der Zeit etwas auf sich hielt, sich von Horst ablichten lassen wollte.

Ein Blick in die Ausstellung

Horst Paul Albert Bohrmann wurde wurde 1906 im kleinen Städtchen Weißenfels an der Saale als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er studierte bei Gropius in Hamburg Design und Architektur, 1930 zog es ihn nach Paris um bei Le Corbusier zu arbeiten. Dort begegnete ihm der damalige Cheffotografen der französischen Vogue und fortan widmete er sich der Fotografie, schon 1932 wurde sein erstes Foto im Tochtermagazin der britischen Vogue, der Vantity Fair, veröffentlicht. Im selben Jahr wurde er von Condé Nast nach New York eingeladen, um Aufnahmen für die amerikanische Vogue zu machen. Sein Aufstieg war unaufhaltsam.

Alte Ausgaben der Vogue

Zu seinem Markenzeichen wurden makellos ausgeleuchtete und elegante Aufnahmen. Er war ein Meister von Licht und Schatten. Die klassische Antike inspirierte ihn genauso wie die aktuellen Strömungen des Dada oder des Surrealismus oder auch des Bauhauses.

Vom Surrealismus inspirierte Bilder wie hier eins mit Elsa Shiaparelli, die Horst sehr bewunderte

Bei seinen Aufnahmen ging er vor wie ein klassischer bildender Künstler: Er fertigte aufwendige Skizzen und Dekorationen. Er stilisierte die in Seide, Satin und Spitze gekleideten Modells fast zu Göttinnen – immer unter dramatischem Lichteinfall. Eine seiner Inspirationsquellen war die „Uta“ aus dem  Naumburger Dom unweit seiner Heimatstadt. Sie war für ihn unendlich schön und anmutig – ganz anders als die Frauen seiner Familie, soll er über sie gesagt haben.

Ein Blick ins Skizzenbuch

Er nutzte die Wirkung des Lichts je nach Situation. Oft beleuchtet er nur einzelne Partien des Kleides mit Spots und um die Gesichter so attraktiv wie möglich zu gestalten, beleuchtete er sie von unten oder von der Seite, manchmal aber auch nur Augen oder eine Wange. Mehr als 20 Scheinwerfer gab es in seinem Studio für die unterschiedlichen Situationen. Typisch für seine Aufnahmen war der dramatische Schlagschatten – seinen Beinahmen Magier des Lichts trägt er nicht umsonst.

Horst P. Horst investierte viel Energie in die Gestaltung des Hintergrunds. Er lieh sich Requisiten bei befreundeten Innenarchitekten, aber oft baute er seine Sets selbst, aus Latten, Papier und Stoff schuf er luxuriös wirkende Hintergründe oder baute barocke Formen oder Gipsabdrücke antiker Statuen ein – oft war er tagelang mit der Gestaltung des Hintergrunds beschäftigt. Für das folgende Bild bestickte er selbst den Stoff, um ihn wie einen Sternenhimmel wirken zu lassen.

mit selbst bestickten Sternenhimmel

Dem Teil der Modefotografie aus den 30er und 40er Jahren ist ein besonders großer Bereich gewidmet. Die ganz in schwarz gehaltenen Wände lassen die Bilder magisch strahlen. Zu den meisten Bildern gibt es zahlreiche Begleittexte. Es ist ein Glücksfall, dass viele der Originale so akribisch beschrieben sind.

Gut beschriebene Fotos im Original

und in der Ausstellung

Der geneigte Besucher erhält Hintergrundinformationen zum Model, den Kleidern und der Entstehung des Bildes. Besonders schön ist außerdem, dass die Bilder mit Kleidern der Zeit ergänzt werden.

Haute Couture Kleider aus den 30er Jahren

Ein eigener Raum widmet sich der Farbfotografie, die sich in den 40er Jahren zunehmend durchsetzte. Auch hier zeigt sich das unglaubliche Gespür von Horst P. Horst für das perfekte Foto. Er zeigt in seinen Bildern ein feines Gespür für Farbbeziehungen. Oft setzt er große Farbblöcke nebeneinander und schafft somit eine klare aber leuchtende Bildsprache.

Ein Farberlebnis

Die Bilder sind eine wirkliche Entdeckung, denn auch wenn viele davon in Zeitschriften (wie zum Beispiel auf über 90 Titelseiten der Vogue) zu sehen waren oder für Werbungen geschaffen wurden, existierten doch kaum Originalabzüge.

Fashion in Colour mit den Titelblättern der Vogue

Erst in den letzten Jahren wurden sie mit Hilfe der digitalen Drucktechnik dem Publikum zugänglich gemacht.

Nachgestellt ….

Ergänzt wird die Schau durch die weniger bekannten Pflanzenaufnahmen im Stil der neues Sachlichkeit, seine Aufnahmen, die während einer Nahost-Reise entstanden sind oder die Aktfotos aus den 50er Jahren, in denen er männlichen Körper klassisch in Szene setzt. Das Horst P. Horst auch privat ein Leben in Stil führte, zeigen die Aufnahmen von seinem Haus in Oyster Bay Cove auf Long Island.

Eine wundervolle Ausstellung

Ich bin sehr froh, die Reise nach Düsseldorf gemacht zu haben und kann nur jedem empfehlen, die Ausstellung zu besuchen. Die Bilder von Horst P. Horst haben eine unwahrscheinliche Anziehungs- und Strahlkraft. Die wunderbare kuratierte Ausstellung zeigt, wie Horst Eleganz, Mode und Glamour mit Zeitgeist und Design verbindet. Wer Lust auf noch mehr Bilder zur Ausstellung hat: Auf Instagram unter #HorstStyle findet man die Bilder der Besucher.

Die Ausstellung für zu Hause

Der Katalog zur Ausstellung

Wer es nicht ins NRW-Forum schafft, dem sei der Katalog zur Ausstellung wärmstens ans Herz gelegt. Umfangreiche und interessante Texte vermitteln zahlreiche Hintergrundinformationen zur Horst P. Horst. Sie sind sehr hilfreich beim Einordnen der Bilder in den Kontext der Zeit. Das Buch ist ein wundervolles Werk über Horst P. Horst, das sein Leben und Werk würdigt. Ich habe nun schon so oft im Buch geblättert und kann mich einfach nicht satt sehen und ich entdecke die Bilder immer wieder neu.

Eine wunderbare Erinnerung an die Ausstellung

Es ist im Knesebeck Verlag erschienen und kostet 49,95 €.

 

Accessoires und Decke aus Plauener Spitze

2 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag – mal sehen wann ich das noch einschieben kann 🙂

    • Holly Day

      9. Mai 2016 at 6:59

      Aber gerne doch 🙂 Die Ausstellung lohnt sich wirklich sehr.

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